Zoo Saarbrücken

Heruntergekommene Käfige und Betonbunker

 

Der Zoolische Garten Saarbrücken

 

Der im Jahre 1932 in einem aufgelassenen Steinbruch am Rande der Stadt begründete Saarbrücker Zoo - schon in den Anfangsjahren wurden neben heimischen Wildtieren auch Lamas, Yaks, ein Eisbär, ein Braunbär sowie ein Löwe gezeigt - wurde während des Zweiten Weltkrieges  vollständig zerstört. 1950er wurde auf dem gleichen Areal eine neue Zooanlage errichtet, die, seit 1955 kommunal getragen, mittlerweile völlig vom Stadtgebiet umschlossen ist.

 

In den letzten Jahren wurde das Zoogelände zugunsten städtischen Wohnungbaus erheblich reduziert, so dass es heute eine Fläche von rund 12 Hektar aufweist. Auf diesem Areal (das seiner teils extremen Hanglage wegen nur eingeschränkt genutzt werden kann) werden rund 1500 Tiere aus 160 Arten vorgehalten. Die Besucherzahlen liegen bei etwa 200.000 pro Jahr.

 

Schwerpunktmäßig werden Tiere der afrikanischen Steppe (Giraffen, Zebras, Geparden) sowie der afrikanischen Regenwälder (Pinselohrschweine, Mandrille, seit 1975 auch Schimpansen und Gorillas) gezeigt; als Besonderheit gelten Lemuren, die mit neun Arten bzw. Unterarten vertreten sind. „Ein weiteres Highlight“, so die Selbstbewerbung des Zoosl, „ist die Seehundfütterung, bei der die Tiere mit beeindruckender Leichtigkeit Kunststücke vorführen. Die intelligenten Seehunde apportieren Bälle und Ringe, springen durch Reifen und befolgen jedes Kommando.“

 

Für Kinder gibt es zwei Spielplätze, dazu einen „Streichelzoo“ mit Lamas, Schafen und Zwergziegen; sonntags steht „Ponyreiten“ auf dem Programm. Ein zoopädagogisches Team bietet Führungen und Projektarbeit für Kinder jeder Altersstufe an. Dazu gibt es Abend- und Nachtführungen, mehrtägige Ferienprogramme sowie Sonderveranstaltungen wie „Halloween im Reich der Tiere“ oder „Tiere an der Weihnachtskrippe“. Selbstredend werden auch Kindergeburtstage ausgerichtet.. Erwachsene können für Betriebs- oder Geburtstagsfeiern das Menschenaffenhaus samt den darin vorgehaltenen Tieren mieten.

 

Zweitschlechtester Zoo der Republik

 

Der Zoologische Garten Saarbrücken erscheint im Vergleich zu anderen Großzoos des deutschsprachigen Raumes ausgesprochen ungepflegt. Auch wenn in den letzten paar Jahren das ein oder andere Gehege überholt und einige Anlagen neu erstellt wurden, vermag der Schock, den man beim Betreten des gleich hinter dem Eingang anzutreffenden Raubkatzenhauses erlebt - in winzigen, rundum verfliesten Betonbunkern aus den 1960er Jahren vegetieren ein paar armselige Jaguare vor sich hin -, sich bei weiterem Rundgang nicht zu legen. Die meisten Tiergehege sind selbst zoointernen Maßgaben zufolge viel zu klein, das 1975 erstellte „Afrikahaus“ etwa, in dem auf engstem Raume Giraffen, Zebras und Antilopen zusammengepfercht sind, kann allenfalls als schlechter Witz gelten. Gänzlich indiskutabel sind die heruntergekommenen Käfiganlagen etwa der Drille, Lemuren oder Javaneraffen. (Im Zoo-Test des Stern aus dem Jahr 2008 landete Saarbrücken unter den bewerteten Großzoos auf dem vorletzten Platz, gefolgt nur noch vom Zoo Neunkirchen, womit die beiden führenden Zoos des Saarlandes als schlechteste der Republik eingestuft wurden.)

Als Grund für den desolaten Zustand großer Teile der Saarbrücker Gehegeanlagen wird „politischer Streit“ zwischen den einzelnen Fraktionen des Stadtrates angeführt, der über Jahre hinweg Investitionen blockiert habe. Tatsächlich wurde der Zoo seit Anfang der 1990er durch einen offenbar komplett unfähigen, gleichwohl durch eine CDU-Mehrheit im Stadtrat gestützten Zoodirektor namens Vaclav Ceska nachgerade systematisch heruntergewirtschaftet. Erst nachdem Rechnungsprüfer eine „nicht ordnungsgemäße Verwendung von Haushaltsmitteln“ festgestellt hatten und getarnte Verlustschreibungen in Millionenhöhe ruchbar wurden; trennte man sich 2005 von Ceska.. Bis heute schreiten die dringend notwendigen Renovierungsmaßnahmen nur sehr schleppend voran, 2012 schrieb der Zoo ein Minus von 2,2 Millionen Euro (das aus der Stadtkasse, sprich: aus Steuergeldern ausgeglichen werden musste).

 

Die in Werbeverlautbarungen herausgestellte Behauptung, das Saarbrückener Menschenaffenhaus stelle ein „Prunkstück des Zoos“ dar, ist an Absurdität kaum zu überbieten. Der 1975 erbaute und mit gewellten Schichtstoffplatten verkleidete Betonkasten weist insgesamt sechs Innenbunker unterschiedlicher Größe auf. Jeweils zwei davon sind miteinander verbunden und werden von je einer Gruppe Schimpansen bzw. einer Gruppe Gorillas bewohnt; zwei kleinere Gehege sind mit Krallenäffchen besetzt.

 

In den beiden je etwa 100qm großen Schimpansengehegen sind derzeit fünf Tiere untergebracht. Die Gehege sind rundum mit bunten Klinkerfliesen (in 70er Jahre-Optik) verkleidet, im hinteren Teil findet sich jeweils eine Art Empore, unter der, tagsüber verschlossen, die Zugänge zu den Schlafboxen verlaufen. Über Milchglasoberlichten erhalten die Gehege Tageslicht, zudem werden sie über Neonlicht erhellt; Fenster ins Freie gibt es nicht. An Einrichtung finden sich die zooüblichen Totholzstämme, Seile und Hängematten, dazu Kletter- und Hangelgerüste aus Stahlrohr. Zur Besucherseite hin sind die Gehege mit großflächigen Panzerglasscheiben gesichert. Zu den Zeitpunkten unserer Besuche war der Boden jeweils mit etwas Stroh bedeckt, an Spiel- und Beschäftigungsmaterial lagen ein paar Plastiktonnen herum.

 

Im Außenbereich stehen den Schimpansen zwei nachträglich angebaute Freiluftkäfige mit Naturboden und den üblichen Klettergerüsten, Hängematten und Feuerwehrschläuchen zur Verfügung. Weder im Innen- noch im Außengehege gibt es Sichtblenden oder sonstige Rückzugs- oder Versteckmöglichkeiten.

 

Die Innengehege der Gorillas, in denen derzeit eine dreiköpfige Gruppe untergebracht ist, weisen eine Gesamtgrundfläche von etwa 130qm auf. Sie entsprechen in ihrer Ausstattung weitgehend den Schimpansengehegen (der einzige Unterschied besteht darin, dass an der Rückseite vergitterte Fenster angebracht sind). Die Gorillas verfügen über kein Außengehege, stattdessen findet sich anschließend an die beiden Innengehege ein etwa 150qm umfassender, mit transparenten PVC-Paneelen überdachter Anbau. Nach hinten hin mit einem durchlaufenden Stahlgitter versehen, erweckt der euphemistisch als „Gorilla-Veranda“ bezeichnete Bau den Eindruck einer Art Offenstall (zumindest können die Tiere durch das Gitter hindurch einen Blick ins Freie werfen). Der Anbau ist mit Totholzstämmen, Hängematten und Seilen  ausgestattet, Versteck- oder Rückzugsmöglichkeiten bietet er nicht. Der ansonsten nackte Betonboden war zu den Zeitpunkten unserer Besuche mit Stroh belegt, Spiel- oder Beschäftigungsmaterial stand den Tieren nicht zur Verfügung. Die Behauptung des Saarbrücker Zoos, die Gehege seien grundsätzlich so eingerichtet, dass die Tiere „die Möglichkeit haben, sich bei Bedarf zurückzuziehen“, ist zumindest mit Blick auf die Menschenaffen unwahr. es gibt für sie keinerlei Versteck- oder Rückzugsmöglichkeiten (für die meisten anderen Tiere auch nicht).

 

Einem  „Masterplan“ der Stadt Saarbrücken zufolge ist bis 2014 die Einrichtung eines Außengeheges für die Gorillas vorgesehen: die Rede ist von einer 1400qm umfassenden Freifläche - veranschlagte Baukosten 900.000 Euro -, die direkt neben dem Menschenaffenhaus entstehen soll. Der Grund für den plötzlich als notwendig erachteten Bau eines Freigeheges dürfte in der Befürchtung verschärfter Vorgaben liegen, die die anstehende Novellierung des Säugetiergutachtens mit sich bringen könnte. Der Umstand, dass man erst nach 35 Jahren [!] auf die Idee kam, ein Freigehege für die Gorillas anzulegen, lässt das Eigenlob des Saarbrücker Zoos, er gehöre zu jenen „wissenschaftlich geführten Zoologischen Gärten, die ständig daran arbeiten, Haltungsbedingungen (...) der Tiere neuesten zoobiologischen Kenntnissen entsprechend zu gestalten und zu verbessern“, als zynische Farce erscheinen.

 

Colin Goldner

Tierbefreiung #81, Dezember 2013

Zukunftsweisende Schritte

 

Ein ermutigendes Signal kam Anfang August 2013 aus der zentralamerikanischen Republik Costa Rica: Sämtliche Zoos des Landes, darunter der traditionsreiche Simon-Bolivar-Zoo von San Jose, sollen Anfang 2014 geschlossen bzw. in Botanische Gärten ohne Tierhaltung umgewandelt werden. Umweltminister René Castro: “Wir wollen keine Tiere mehr in Käfigen sehen.” Die bislang in den Zoos vorgehaltenen Tiere sollen nach Möglichkeit ausgewildert, die nicht auswilderbaren in geeigneten Reservaten untergebracht werden. Bereits im Jahre 2002 hatte Costa Rica ein kategorisches Verbot für Zirkusse erlassen, in denen Tiere auftreten; auch Jagd als Freizeitbeschäftigung ist in dem Land (in dem es bezeichnenderweise auch kein Militär gibt) gesetzlich verboten.  Auch in Bolivien, Brasilien, Peru, Paraguay und Kolumbien gibt es keine Zirkusse mit Tierdressuren mehr. CG