Sandra / Cecilia (Afada)

Orang-Utan Sandra im Zoo Buenos Aires
Nach 20 Jahren Gefangenschaft: Freiheit für Orang-Utan-Dame Sandra

 

1986 wurde Sandra in einem deutschen Zoo geboren, die vergangenen Jahrzehnte verbrachte sie in Buenos Aires. Jetzt hat ein Gericht entschieden: Die Orang-Utan-Dame ist mehr Mensch als Sache. Damit darf Sandra auf Freiheit hoffen.

 

Buenos Aires - Tierschützer haben vor einem Gericht in Argentinien die Freilassung eines Orang-Utans aus einem Zoo durchgesetzt: Sandra soll nach 20 Jahren Gefangenschaft im Zoo von Buenos Aires ihr Gehege verlassen, wie Tierschutzanwälte mitteilten. Die 29-jährige Orang-Utan-Dame darf ihren Lebensabend in einem Schutzgebiet in Brasilien verbringen, falls keine Berufung gegen das Urteil eingelegt wird.

 

Die Argentinische Anwaltsvereinigung für Tierrechte (Afada) hatte eine Habeas-Corpus-Klage eingereicht, in der es hieß, Sandra müsse eine ungerechtfertigte Gefangenschaft erleiden. Zwar sei Sandra biologisch nicht identisch mit dem Menschen, aber emotional. Sie wäre in Freiheit glücklicher. Nach argentinischem Recht müsse der Orang-Utan mehr als eine Person denn als eine Sache angesehen werden.

 

Sandra wurde 1986 in einem deutschen Zoo geboren und im September 1994 nach Argentinien gebracht, wie die BBCberichtet.

 

REUTERS/aar/AFP

Spiegel online vom 22.12.2014 

Sandra

Orang Utan Sandra soll aus Zoo freigelassen werden. in: sueddeutsche.de vom 22.12.2014

 

Argentinien: Für Orang Utan Sandra gilt Menschenrecht. in: Der Standard vom 22.12.2014

 

Habeas Corpus für Orang Utan-Dame im Zoo. in: Humanistischer Pressedienst vom 23.12.2014

 

Orang Utan Sandra given HUMAN RIGHTS.

in: Mirror 23.12.2014

 

The case of Sandra. in: Projeto GAP Brasil

29.12.2014

 

Is Sandra Orangutan a Person and More

Free? No, She Is Not. in Psychology today

13.1.2015

 

Menschenaffen sind Personen. in: National

Geographic 3/2015

Aktueller Stand der Dinge

 

Während das Urteil des argentinischen Gerichtes zwar als bahnbrechend angesehen werden konnte, insofern es erstmalig ein nicht-menschliches Tier als "Subjekt von Rechten" anerkannt hatte, bedeutete es zunächst nicht, dass SANDRA den Zoo in Buenos Aires tatsächlich verlassen könnte. Unerwartet schnell aber, am 28. Januar 2015, wurde gerichtlich verfügt, dass SANDRA in ein Refugium überstellt werden müsse. Die Kommunalverwaltung von Buenos Aires als Trägerin des Zoos wurde angewiesen, SANDRA "innerhalb der nächsten Monate" entweder in das Great Primates Sanctuary Sorocaba im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo oder in das Center for Great Apes Sanctuary in Wauchula, Florida, USA, zu verbringen. Wie das Projeto GAP Brazil am 29.1.2015 mitteilte, sei bereits eine Entscheidung für das Refugium in Florida gefallen, da dort schon eine Gruppe Orang Utans aus der Entertainmentindustrie lebt. see: Sandra must be transfered to North American Santuary.

 

Noch aber war bzw. ist die Sache nicht "in trockenen Tüchern".

 

Auf Anfrage des GAP vom 10.2.2015 teilte das Center for Great Apes Sanctuary am 12.2.2015 mit, es habe in der Tat Kontaktnahmen sowohl von Afada als auch seitens der Kommunalverwaltung Buenos Aires gegeben, die man positiv beschieden habe: man wolle SANDRA gerne aufnehmen, sofern die gesetzlichen Erfordernisse, ein CITES 1-Tier in die USA einzuführen, erfüllt seien. Erfahrungsgemäß dauere es 6-8 Monate, bis die entsprechenden Papiere des zuständigen U.S. Fish & Wildlife Service mit Blick auf den sogenannten Endangered Species Act beigebracht seien. Hauptproblem aber seien die strikten Erfordernisse des U.S. Government Center for Disease Control, die eine 6-monatige Quarantäne in einer entsprechend anerkannten Einrichtung innerhalb der USA vorschreiben, bevor ein eingeführtes bzw. einzuführendes Tier von einem Sanctuary übernommen werden könne. Welche Einrichtung das sein könnte, blieb vorläufig völlig ungeklärt. (Stand 12.2.2015)

 

Da die restriktiven Einfuhr- und Quarantäneregularien der US-Behörden SANDRAS Umzug auf unabsehbare Zeit verzögerten, erklärte sich im Oktober 2015 das bereits in den Blick gefasste Great Primates Sanctuary des GAP im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo erneut bereit, SANDRA ohne langfristigen Vorlauf aufzunehmen.

 

Inzwischen allerdings hat der Geschichtsverlauf sich selbst überholt:  Am 27. Juni 2016 kündigte die Stadtverwaltung von Buenos Aires an, den kommunalen Zoo, in dem SANDRA seit 22 Jahren einsitzt, binnen eines Jahres aufzulösen. Die Gefangenhaltung und Zurschaustellung von Tieren in Zoos, so Bürgermeister Horacio Rodríguez Larreta, sei entwürdigend und längst nicht mehr zeitgemäß; der Zoo von Buenos Aires müsse ungeachtet des Umstandes, dass er eine der touristischen Hauptattraktionen der Stadt darstelle, schnellstmöglich geschlossen werden. Die derzeit vorgehaltenen rund 2.500 Tiere sollen, sofern möglich, ausgewildert bzw. in eigens eingerichtete Reservate umgesiedelt werden. Die rund fünfzig nicht auswilder- oder umsetzbaren Tiere, darunter SANDRA, sollen unter verbesserten Bedingungen auf dem Zoogelände verbleiben dürfen, würden aber nicht mehr zur Schau gestellt. Das knapp 18 Hektar umfassende Areal des Zoos soll in einen Ökopark umgewandelt werden (The Guardian, 23.6.2016)

Schimpansin Cecilia im Zoo Mendoza

Freiheit für Cecilia

 

04.11.2016: In einer bahnbrechenden Entscheidung erklärte die argentinische Richterin María Alejandra Mauricio, eine im Zoo der Provinzhauptstadt Mendoza lebende Schimpansin namens CECILIA sei keine Sache, die der Zoo besitzen könne, sondern Rechtssubjekt, sprich: eine nicht-menschliche Person, die ebendeshalb umgehend aus der Gefangenhaltung zu entlassen sei.

 

Hintergrund der höchstrichterlichen Entscheidung ist eine Habeas-Corpus-Klage, die vor zwei Jahren durch die argentinische Tierrechtsorganisation Association of Officials and Lawyers for Animal Rights (AFADA) eingereicht wurde, die, in Zusammenwirken mit dem internationalen Great Ape Project, argumentierte, die Umstände der Haltung Cecilias im Zoo – die etwa 35jährige Schimpansin lebt seit dem Tod ihrer beiden Artgenossen Charlie und Xuxa alleine – seien nicht nur gesetzeswidrig, sondern auch Ursache ihres sich rapide verschlechternden Gesundheitszustandes.

 

AFADA hatte bereits Ende 2014 Grundrechte für die im Zoo von Buenos Aires einsitzende Orang Utan-Dame Sandra erstritten. Die aktuelle Entscheidung in Sachen Cecilia reicht noch weit darüber hinaus: Richterin Mauricio betonte, auch nicht-menschliche Tiere besäßen abgestufte Rechte: "Wir sprechen dabei nicht über Bürgerrechte, wie sie im Bürgerlichen Gesetzbuch niedergelegt sind, sondern über die der jeweiligen Spezies zukommenden Rechte auf Selbstentfaltung und auf Leben in ihrem natürlichen Lebensumfeld." Sie verfügte die sofortige Freilassung der Schimpansin, die, in Absprache mit den zuständigen Umweltministerien, bis Ende Dezember 2016 in das Menschenaffenrefugium des Great Ape Project im brasilianischen Sorocaba umziehen soll.

 

Die Umzugskosten in das drei Flugstunden von Mendoza entfernte Refugium in Brasilien trägt die spanische Sektion des Great Ape Project. Deren Direktor Pedro Terrados Pozas, der mit großem persönlichem Engagement an der Freilassung Cecilias mitgewirkt hatte, gab der Hoffnung Ausdruck, die historische Entscheidung der Richterin Mauricios möge ein erster Schritt sein hin zu einem ganz allgemein anständigeren Umgang mit nicht-menschlichen Lebewesen. (siehe hier)

 

Interessanterweise umfasste das Urteil auch eine Aufforderung an die Behörden der Provinzhauptstadt Mendoza, notwendige Maßnahmen zu ergreifen, die Lebensbedingungen all jener Tiere nachhaltig zu verbessern, die nach dem Wegzug Cecilias im örtlichen Zoo verbleiben müssten. Im Schlusswort ihres Urteils zitierte Richterin Mauricio den deutschen Philosophen Immanuel Kant: "Wir können das Herz eines Menschen danach beurteilen, wie er Tiere behandelt." hpd vom 7.11.2016

 

see: Judge Declares Chimp Has Rights And Must Be Freed From Zoo. in: The Dodo 4.11.2016

 

see also: Nonhuman Rights Project Praises Argentine Court's Recognition Of Captive Chimpanzee's Legal Personhood And Rights. NhRP 5.12.2016

 

Hier die englische Übersetzung der 33seitigen Urteilsbegründung in Sachen "Cecilia" aus dem argentinischen (=spanischsprachigen) Originaldokument vom 3.11.2016

 

see: Toward Hominid and other Humanoid Rights: Are We Witnessing a Legal Revolution? in: Verfassungsblog vom 30.12.2016